Guillain-Barré-Syndrom
Rehabilitation bei
Guillain-Barré-Syndrom
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist
eine Erkrankung, welche die Nervenfasern betrifft und zu schlaffen Lähmungen und
Gefühlsstörungen führen kann. Die Ursachen können verschieden sein. Es handelt
sich um eine immunbedingte Erkrankung, die in jedem Lebensalter auftreten kann.
Häufig sind die Nervenfasern am stärksten betroffen, die zu den Muskeln der Arme
und Beine führen, es kann aber auch die Atemmuskulatur betroffen sein und
Nervenbahnen, die zu den inneren Organen führen.
Der Beginn vom Guillain-Barré-Syndrom ist meist akut, oft
geht ein fieberhafter Infekt voraus. Es kommt häufig relativ rasch zu
Gefühlsstörungen und einer Schwäche in den Armen und Beinen, die zu einer
vollständigen Lähmung mit Bettlägerigkeit führen kann. Wenn auch die
Atemmuskulatur mit betroffen ist, kann vorübergehend eine künstliche Beatmung
vorübergehend nötig sein.
In der Regel wird ein Aufenthalt in
einer neurologischen Akutklinik zur Diagnostik und Einleitung der Therapie
notwendig sein. Wenn sich der Allgemeinzustand stabilisiert hat, wird in vielen
Fällen eine neurologische Rehabilitationsbehandlung erforderlich sein.
Therapieziele beim
Guillain-Barré-Syndrom:
Ziele der Behandlung bei dem
Guillain-Barré-Syndrom im Rahmen der Rehabilitation sind in erster Linie die
Zunahme der Muskelkraft, die Vermeidung von Gelenkkontrakturen, sowie Training
der Mobilität und, falls nötig, das Erlernen von Kompensationsmöglichkeiten.
Wenn Schmerzen vorhanden sind, müssen diese mitbehandelt werden. Es soll
eine größtmögliche Selbständigkeit im Alltag wiedererlangt werden. Nötig ist
auch bei den häufig schwer betroffenen Patienten mit langen Krankheitsverläufen
die Hilfe bei der Krankheitsverarbeitung.
Zum Erreichen dieser Ziele wird in
Absprache mit dem Patienten ein individueller Therapieplan erstellt.
Physiotherapie und Ergotherapie beim
Guillain-Barré-Syndrom:
Es werden hier spezielle
physiotherapeutische und ergotherapeutische Behandlungsmethoden angewendet, wie
z.B. mit PNF; E-Technik , Therapie nach Halliwick, Brunkow oder Physiotherapie
nach Bobath.
Je nach dem Schwerpunkt der Symptomatik,
wie Muskelschwäche; Gangunsicherheit und Sensibilitätsstörungen wird die
Therapie unterschiedlich durchgeführt. Bei noch bettlägerigen Patienten werden
neben Übungen zur Kräftigung auch folgende Prophylaxen (Übungen zur Vorbeugung
von Komplikationen) betrieben:
Atemgymnastik (vertiefte
Einatmung zur Aktivierung der Atemmuskulatur)
Thromboseprophylaxe (Dehnung der
Extremitäten, Einsatz der Muskelpumpe)
Kontrakturprophylaxe (Aktives
oder passives Bewegung aller Gelenke)
Eventuell müssen erst die Transfers vom
Bett in einen Rollstuhl erarbeitet werden. Unter pflegerischer und
ergotherapeutischer Anleitung werden die Aktivitäten des täglichen Lebens wie
Körperpflege und Ankleiden möglichst weitgehend wieder übernommen. Der Patient
wird angeleitet, gewisse Übungen im Bett oder im Zimmer auch selbständig
durchzuführen.
Muskelkräftigung beim
Guillain-Barré-Syndrom:
Die Voraussetzung für eine gute
Muskelkraft sind frei bewegliche Gelenke und eine gute Dehnfähigkeit der
Muskulatur.
Je nach der Schwere der Erkrankung
werden die Ausgangsstellungen sowie die Übungen unterschiedlich sein. Bei
ausreichender Muskelkraft können die Patienten in die Medizinische
Trainingstherapie eingewiesen werden. Auch können Übungen im Bewegungsbad
eingesetzt werden.
Sensibilitätsstörungen beim
Guillain-Barré-Syndrom:
In der Behandlung von
Sensibilitätsstörungen werden verschiedene Materialien zum Wahrnehmen
unterschiedlicher Reize eingesetzt z.B.: spitz-stumpf; hart-weich; kalt-warm.
Das Erfühlen wird geübt mit und ohne visuelle Kontrolle.
Guillain-Barré-Syndrom: Gangunsicherheit
Neben der Kraft der Muskulatur ist auch
die Sensibilität (Gefühl) zum Erreichen eines sicheren Gangbildes erforderlich.
Um ein physiologisches Gangbild zu erreichen, muss der Fuß die
Unterstützungsfläche (Boden) annehmen können. Es ist eine gute Kniekontrolle,
Hüftkontrolle und Rumpfaktivität notwendig. Zuerst werden die Stand- und
Schwungbeinphase erarbeitet, danach folgen verschiedene Gangarten wie schnelles
Gehen, seitwärts oder rückwärts Gehen und schließlich dann das Gehen über
Unebenheiten und im Freien sowie auf Treppen.
Guillain-Barré-Syndrom: Hilfsmittel
Falls erforderlich werden Hilfsmittel
eingesetzt wie zum Beispiel Rollstuhl, Rollator, Gehstock; Fußheber- und
Handschienen. In der Anfangsphase kann auch ein Kipptisch zum Aufrichten oder
ein Stehständer hilfreich sein.
Guillain-Barré-Syndrom: Hilfe bei der Krankheitsbewältigung
Bei dem Guillain-Barré-Syndrom kommt es
oft innerhalb von kurzer Zeit aus völliger Gesundheit zum Verlust von
körperlicher Unversehrtheit und daraus entstehender Hilflosigkeit. Dies führt
oft auch zu einer emotionalen Unsicherheit und bedarf unter Umständen einer
psychologischen Unterstützung. Es kann zum Beispiel zu einer reaktiven
Depression kommen. Hier können stützende Gespräche zur emotionalen
Stabilisierung beitragen.
Guillain-Barré-Syndrom: Verlauf der Erkrankung
Bei vielen Patienten mit dem
Guillain-Barré-Syndrom nimmt die Erkrankung einen günstigen Verlauf und die
Lähmungen und Gefühlsstörungen bilden sich langsam zurück. Es können aber auch
funktionelle Defizite bestehen bleiben. Häufig sind längere Krankenhaus- und
Rehabilitationsaufenthalte notwendig. Auch nach der Entlassung aus einer
stationären Rehabilitation kann noch ambulante Therapie erforderlich sein.
Wichtig ist hier die Beratung des Patienten und auch der Angehörigen noch
während der stationären Behandlung, wie die weitere Betreuung und Therapie am
besten zu organisieren ist. Selbsthilfegruppen können hier wertvolle
Unterstützung geben. Auch sind soziale Fragen zu erörtern und Beratungen zum
Beispiel zur häuslichen Versorgung oder zur beruflichen Wiedereingliederung nach
längerer Erkrankung notwendig.
Ihr Team der Wicker Klinik Bad Homburg

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Aktualisiert:
Juni 2010
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